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Autofahren in Ägypten

Der Ägypter ist kein Freund von Regeln. Es liegt eher in der Natur des europäischen Beobachters, solche aufstellen zu wollen: Hier ein Versuch, Ordnung in das ägyptische Verkehrschaos zu bringen:
 
Der ägyptische Autofahrer schaut nach vorne. Der Rückspiegel, sofern vorhanden, wird kaum je eines Blickes gewürdigt. So hat er immer die Nase vorn und kann beliebig und unvermittelt die Fahrspur wechseln. Die Aufgabe eines Blinkers ist dem Ägypter unbekannt…
 
Sind mehrere Spuren in einer Richtung vorhanden, sind diese häufig mit weißen Strichen auf der Fahrbahn markiert. Der ägyptische Autofahrer interessiert sich jedoch wenig für die theoretischen Überlegungen eines Tiefbauingenieurs und wählt in Kurven stets den kürzesten Weg…
 
Überlandstraßen an der Mittelmeerküste sind häufig autobahnähnlich ausgebaut, oft gibt es jeweils zwei Richtungsfahrbahnen, die Fahrtrichtungen sind durch Grünstreifen getrennt. Welche der beiden Richtungsfahrbahnen man befährt, spielt eigentlich keine Rolle - überholt wird, wo Platz ist - wären da nicht die Geisterfahrer, die meist mit hoher Geschwindigkeit auf der linken Fahrspur entgegenkommen. Diejenigen, die langsamer fahren, kommen meist rechts entgegen…
 
Der naive  Europäer könnte auf die Idee kommen, eine rote Ampel würde irgendjemanden veranlassen, das Tempo zu verlangsamen. Mindestens ebenso fatale Folgen könnte die Annahme haben, grün bedeute freie Fahrt…
 
Ein ganz besonderes Erlebnis ist das Fahren bei Nacht. Die wenigsten Fahrzeuge scheinen mit funktionierenden Scheinwerfern ausgerüstet zu sein, und wenn überhaupt ist höchstes das Standlicht eingeschaltet. Kommt ein Fahrzeug entgegen, wird jedoch voll aufgeblendet und daraufhin für mehrere Sekunden das Licht komplett abgeschaltet…
 
Das wichtigste Teil an einem ägyptischen Auto jedoch ist die Hupe. Sie wird eingesetzt um zu sagen „Hier bin ich“, um zu antworten „Ich habe dich gesehen“, um Freunde zu begrüßen, oder einfach nur, um seiner Lebensfreude Ausdruck zu verleihen. Ganz selten aber kommt sie mit der in Deutschland gebräuchlisten Aussage zum Einsatz: „Hau ab du Arsch“.
 
Und das macht das Verkehrschaos  in Ägypten so sympathisch...