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Der Unfall
Wir sind zu blöd für diese Welt

Wir hatten es kommen sehen. Schon einige Male war uns ein Fahrzeug mehr quer als längs entgegengekommen und jetzt der. Der mit seinem dunkelgrünen Suzuki Escudo, diesem City-4X4. der braucht die ganze Fahrbahnbreite. Und – no way out - ein Graben verhindert die Flucht ins Gelände. Der Count-down. Sekundenbruchteile runterzählen. Dann der Einschlag. Glas splittert, Teile fliegen umher. Der kleine Grüne prahlt ab wie ein Querschläger, schleudert ins Gelände und bleibt 100 m weiter liegen.
 
Ich steige aus dem Wagen, fotografiere sofort die Unfallstelle, die Kennzeichen an den Fahrzeugen des Unfallgegners und der Zeugen und die Schäden an den beiden Autos, Tanja sichert die Unfallstelle und ruft Ulli an, einen Bekannten der seit 16 Jahren in Tansania lebt und fragt um Rat.
 
Zum Glück ist niemand verletzt. Die rechte Seite unseres Autors (in Tansania herrscht Linksverkehr) ist eingedrückt, eine Felge verbeult, ein Stück Gummi aus dem Reifen gerissen, der Wassertank unter dem Fahrzeug ist geplatzt, der Wagen ist aber weiter fahrbereit. Harrison, der Unfallgegner, zeigt sich geständig und verspricht, für den Schaden aufzukommen, fleht uns aber an, nicht die Polizei einzuschalten. Das hat gute Gründe: Wir sind unterwegs in der Ngorongoro Consevation Area. Unfälle in solchen Schutzgebieten sind sofort zu melden und mit hohen Strafen bedroht.
 
Die Ngorongoro Conservation Area bildet mit dem benachbarten Serengeti National Park, der in Kenia liegenden Masai Mara und einigen anderen weniger bekannten unmittelbar angrenzenden Schutzgebieten ein riesiges Ökosystem. Dieses Gebiet umfasst etwa 30.000 km², ist also beinahe so groß wie Baden-Württemberg.
Natürlich führen zahlreiche Pisten durch den Park und diejenige, die die Ngorongoro Conservation Area mit der Serengeti verbindet ist eine Hauptverkehrsader: Sie stellt die einzige brauchbare Verbindung zwischen den Großstädten Mwanza und Musoma am Victoriasee und den wichtigen Knotenpunkten Arusha und Moshi im Norden von Tansania dar und wird entsprechend viel befahrenen. Selbst Fernreisenbusse und Lkw nutzen diese Strecke. Dabei ist sie nicht überall in bestem Zustand: Teilweise sind üble Wellblechpassagen zu bewältigen. Wellblechpisten - so nennt man Pisten, die aus einer Abfolge kleiner quer zur Fahrtrichtung verlaufender Hügel bestehen - beanspruchen das Fahrzeug besonders, durch das ständige Gerüttel lösen sich Schrauben, schlagen Lager aus und den Insassen fallen die Plomben aus den Zähnen. Erhöht man die Geschwindigkeit - je nach Beschaffenheit der Piste sind Geschwindigkeiten zwischen 50 und 80 km/h erforderlich - wird es ruhiger im Fahrzeug: Das Auto fliegt sozusagen von einem Kamm zum nächsten. Das ist angenehm, aber nicht ungefährlich: Die Bodenhaftung wird entsprechend gering, der Bremsweg verlängert sich und das Fahrzeug kann leicht ins Schleudern geraten. Genau das war hier passiert.
 
Die Lage ist nicht einfach. Es ist 3:00 Uhr nachmittags, bis um vier müssen wir den Park verlassen haben, sonst werden Nachzahlungen in Höhe von immerhin 100 US-Dollar (seit dem 1.7.2007 140 US-Dollar) fällig und zudem mahnen uns auch Unbeteiligte, darauf zu verzichten, die Behörden einzuschalten: Endlose Untersuchungen und letztlich auch eine saftige Strafe für uns wären die Folge.
Harrison unterschreibt eine Schuldeingeständniserklärung, präsentiert uns bereitwillig seinen Personalausweis, weist sich als „Managing Director“ eines Safariunternehmens aus Arusha aus und lässt sich fotografieren. Zudem macht er einen vertrauenswürdigen Eindruck und so beschließen wir, unsere Fahrt nach Westen fortzusetzen.
 
In der Serengeti findet alljährlich eine gigantische Tierwanderung statt, an die 2 Millionen Tiere sind beteiligt und ein ganz besonderes Spektakel ist die Überquerung des Grumeti River im Westen des Parks. Wochenlang hatten wir recherchiert, Dutzende von E-Mails geschrieben und zahllose Telefonate geführt um den Zeitpunkt dieses Ereignisses zu erfahren, wähnen uns nun kurz vor dem Erreichen unseres Ziels und wollen deshalb nicht umdrehen und nach Arusha zurückfahren.
 
Am Gate werden glücklicherweise keine Fragen gestellt und wir erleben, wenn auch etwas gestresst noch einen herrlichen Safaritag (die Grumeti River Crossing erleben wir allerdings nicht, aber das ist eine andere Geschichte), bevor wir am Nachmittag des folgenden Tages, einem Samstag, am westlichen Ausgang den Park verlassen. Wir machen einen Tag Pause in einem Camp in unmittelbarer Nähe des Parks, lassen uns dort eine Werkstatt in der nahe gelegenen Kleinstadt Bunda empfehlen und fahren am Montagmorgen dorthin.
 
Der Hof der Werkstatt gleicht einem Schrottplatz. So viele Autowracks stehen dort, dass die Reparaturarbeiten vor dem Tor, sozusagen auf freiem Feld, durchgeführt werden müssen. Aber Werkstätten, die weder über eine Grube noch eine Hebebühne verfügen sind in Afrika die Regel und diese hier verfügt immerhin über einen Wagenheber und ein Radkreuz, so dass es keinen Grund gibt, an der Qualifikation der Mechaniker zu zweifeln. Sofort werfen sich fünf oder sechs Arbeiter in den Dreck, bauen den Tank aus und montieren die Räder ab und kommen tatsächlich Stunden später mit einem geschweißten Tank und geflickten Reifen zurück. Leider gibt es kein brauchbares Wasser in der Stadt, so dass wir den Erfolg ihrer Arbeit am Tank nicht überprüfen können und auch Ventile für schlauchlose Reifen sind nicht verfügbar (ja, ja, inzwischen haben wir natürlich selbst welche dabei), so dass das rechte Hinterrad mit Schlauch montiert werden muss, einem Schlauch, der uns zuvor in Äthiopien in eines der Reserveräder eingezogen worden war, weil man den Reifen dort nach einer Panne nicht fachgerecht reparieren konnte.
 
Am nächsten Morgen ist der Reifen platt. Das Loch im Schlauch muss groß sein: Der Kompressor hilft hier nicht. Eine der Radmuttern ist ein Sicherheitsschloss, man braucht Spezialwerkzeug, um es zu öffnen, und offenbar hatte man bei der Montage allzu viel Gewalt angewandt: Die Mutter ist verhunzt, das Werkzeug gleitet ab und wir schaffen es nicht, das Rad zu demontieren. Ein Schweißgerät muss her. Damit könnte man den Schlüssel mit dem Schloss verbinden und so die Mutter lösen.
Wir rufen in der Werkstatt an. Leider ist niemand dort, der Englisch kann. Zwei weitere Touristen, ein Schwede und ein Inder, campen auf dem Platz. Ihr Fahrer Juma hilft uns und ruft an: „20 Minuten, dann ist jemand da“, vermeldete er strahlend. Wir warten eine Stunde. „Wissen die denn, wohin sie kommen sollen?“, fragen wir dann vorsichtig. „Nein, davon war nichts die Rede“, meint Juma. Also ruft er noch einmal an. Wir warten noch mal eine Stunde. Niemand kommt. Der Inder hat Malaria und Juma bringt ihn in die Stadt. Ich fahre mit. In der Werkstatt gibt es niemanden, der irgendetwas weiß: „Nee, Telefon? Das gibt's hier gar nicht!“, meinen sie. Ich brauche eine halbe Stunde, um zu erklären, was wir brauchen. Dann beginnt die Suche. Unter einem Haufen Schrott in einer Hütte findet man bald ein altertümliches Gerät, rund 40 kg schwer, ein klobiges Paket aus  Platten aus Metall und verschlissenen Kupferdrähten: Das Schweißgerät. Kabel liegt eigentlich genug im Hof, in Stücken zu 2 m Länge, nur glaubt der Monteur mir nicht und nimmt nur fünf Stück mit. Auch Autos gibt es eigentlich genug, nur leider ist davon keines auf die Schnelle fahrbereit. So hilft wieder Juma aus und bringt's Gerät und uns zurück zum Camp. Natürlich reicht das Kabel nicht, doch kein Problem, kaum eine Stunde später treibt man ein anderes auf. Vier Männer versuchen sich im Schweißen, halten das Werkzeug mit der bloßen Hand (und tragen natürlich keine Schutzbrillen), aber vergebens, die altertümliche Maschine ist zu schwach. Jetzt hilft nur noch rohe Gewalt. Mit Hammer und Meißel wird auf die Mutter eingeschlagen und es gelingt: Sie löst sich endlich.
Ich fahre Schweißer und Gerät in die Stadt zurück. Der Koch des kranken Inders kommt mit uns. Der Inder muss im Krankenhaus bleiben, doch da gibt's nichts zu essen. Der Koch hat sich in den Kopf gesetzt, ihm eine Pizza zu kredenzen. Die gibt's natürlich nirgendwo zu kaufen und so fahren wir durch die Nacht und der Koch versucht
zu erklären, was eine Pizza ist. Zum Schluss wird´s halt ein Rührei, nach Essen ist dem Inder sowieso nicht zu Mute. Spät in der Nacht bin ich zurück im Camp.
 
Am nächsten Tag fahren wir nach Musoma, einer Großstadt an Victoriasee, rund 90 Kilometer weiter nördlich. Tatsächlich gibt es dort eine Werkstatt, die wie eine Werkstatt aussieht, der Reifen wird fachgerecht geflickt und schlauchlos aufgezogen, der Tank noch einmal demontiert, mit Gummi abgepolstert und korrekt fixiert und eine Spurvermessung durchgeführt: Wir haben Glück, das Fahrwerk scheint nichts abbekommen zu haben.
 
Wir fahren zurück in südöstlicher Richtung und weiter wieder in die Serengeti, diesmal in den Norden des Parks. Der Tank leckt wieder, aber sonst haben wir einen fantastischen Safaritag, sehen sechs Löwen, 100.000 Gnus und Zebras und allerlei anderes Getier, fahren von dort über den Lake Natron mit seiner außerirdischen Kulisse zum Ol Doinyo Lengai und zurück nach Arusha.
 
Wieder ist Samstag. Wir suchen eine Werkstatt auf, die uns ein Freund empfohlen hatte und sind enttäuscht: Von Karosseriearbeiten scheint man hier nicht viel zu verstehen. Wir rufen Harrison an, den Unfallverursacher. Der ist sofort zur Stelle und bringt uns in eine andere Werkstatt. Auch hier arbeitet man mit primitivsten Mitteln, aber immerhin stehen einige ganz brauchbare Safarifahrzeuge auf dem Hof. Das schafft Vertrauen. Das einzige elektrisch betriebene Werkzeug, was es hier gibt, ist eine Flex. Die funktioniert auch noch und schneidet unserem armen Toyo bald tief ins Fleisch. Durch den entstandenen Schlitz in der Karosserie wird dann das Werkzeug eingeführt. Werkzeug ist, was man halt grade so findet hier, halt rostiges Metall, halt irgendwas, was grad so passt. Nicht ohne Geschick wird damit dann das Blech von innen ausgebeult. Unterdessen checkt Adam, der Werkstattchef, den Wagen. Natürlich wird er fündig: „Die Verbindungsstücke der Spurstangen sind ausgeschlagen und die Nabe am linken Hinterrad verschlissen“, meint er. Jetzt machen wir den entscheidenden Fehler: Wir lassen ihn gewähren. Rasch sind neue Teile besorgt, bald wird gehämmert und geschraubt, auch als es dunkel wird, wird man nicht müde. Auch der Tank wird mal wieder ausgebaut, diesmal natürlich fachgerecht geschweißt und zwischenzeitlich Spachtelmasse aufgetragen und von Hand geschliffen. An einer Stelle gibt es Licht im Hof, eine Glühbirne mit vielleicht 40 Watt hängt da an einem Kabel und dahin sollen wir den Wagen manövrieren, weil's fürs Lackieren vielleicht doch kein Fehler ist, wenn man ein bisschen etwas sieht. Leider lässt sich der Wagen nicht mehr lenken, aber auch das ist schnell behoben. Nach gut sieben Stunden werden die Arbeiten für beendet erklärt und Adam präsentiert die Rechnung. Uns trifft der Schlag: Unser Anteil soll 900.000 Tansania Schilling betragen, rund 540 €, ein Jahresgehalt in Tansania. Allein 750.000 Tansania Schilling sollen die Ersatzteile kosten. Wir versuchen es im Guten, lachen erst mal, das hat schon oft geholfen. Doch nichts zu machen. Wir verlangen eine Quittung für die Teile. Die gibt's natürlich nicht. Wir bieten einen Vorschuss an und einen Reisepass als Pfand und versprechen, die Rechnung Montagmorgen zu bezahlen. Nichts zu machen. Man macht uns klar: Ohne das Geld, sofort in bar, bleibt das Tor geschlossen und niemand verlässt den Hof. Acht Männer stehen um das Auto und fangen an, die Räder abzuschrauben. Wir versuchen, telefonisch Hilfe zu organisieren. Niemand erreichbar, es ist nachts um 10. Langsam kommt Panik auf. Wir nutzen einen Augenblick, in dem der Nachtwächter das Tor aus den Augen lässt und rennen auf die Straße. Es ist stockdunkel. Wir sprechen Passanten an, bitten um Hilfe. Sie haben Angst vor uns und weichen aus. Nicht allzu weit entfernt gibt es ein schwaches Licht, ein kleiner Laden. Wir bitten den Mann hinter der Theke, die Polizei zu rufen, doch auf der Wache gibt's kein Telefon und so hasten wir weiter durch die Nacht. Zwei Straßen weiter steht eine kleine Hütte, das ist die Wache und der Polizist vom Dienst ist freundlich, nur helfen kann er nicht: „Das ist eine private Angelegenheit“, klärt der uns auf, „ein Geschäft“, es sei wohl besser, zu bezahlen. Wir haben keine Chance. Wir bezahlen.
 
Am Montagmorgen fahren wir in die Toyota-Vertragswerkstatt. Schnell ist klar: Man hat uns gefälschte Ersatzteile eingebaut, zudem nicht fachgerecht montiert, der Tank leckt nach wie vor, nur den Grund dafür, dass die Bremse stottert, findet man nicht gleich. Nach zweieinhalb Tagen in der Werkstatt ist der Schaden behoben. Die Radnabe war zwar nicht gefälscht, aber total verzogen. Die Originalteile kosten nicht einmal die Hälfte von dem, was wir für die gefälschten bezahlt hatten.
 
Zwei weitere Besuche bei der Polizei, dann wird auch denen klar: Hier ist was faul. Adam wird einbestellt und vernommen. Der besitzt die Frechheit, zu behaupten, er habe nur gute Teile verbaut, wir hätten die getauscht, um ihn zu kriminalisieren. Jetzt reicht es auch der Polizei. Das muss im Hauptquartier verhandelt werden. Das muss zum „OCS“.
 
Das Hauptquartier der Polizei von Arusha ist ein zweistöckiges Gebäude und es ist noch deutlich zu erkennen, dass es einst in blau und weiß, den Farben der Polizei in Tansania, gestrichen war. Auf dem festgetrampelten Lehmboden um das Haus herum stehen allerlei schrottreife Fahrzeuge, Männer in orangefarbener Sträflingsuniform schnorren Zigaretten, im Hinterhof stellt man gerade eine Reihe Verdächtiger den Opfern eines Verbrechens gegenüber uns das Klo schafft es aus dem Stand auf Platz eins unserer Rangliste der widerlichsten Scheißhäuser Afrikas, was schon allein einen Besuch wert ist. Die Türen zu den Büros stehen offen, jeder kann hören, was innen gerade verhandelt wird und in den Gängen drängeln sich Dutzende von Zivilisten zwischen schwitzenden Beamten.
Der „OCS“ ist eine Respektsperson. Mit strenger Miene hält er eine Moralpredigt über die Behandlung Fremder in seinem Land, aber auch wir bekommen eine Rüge, weil es gesetzlich vorgeschrieben ist, jeden Verkehrsunfall unverzüglich bei der Polizei zu melden. Er ordnet an, den Vorgang schriftlich zu protokollieren und so suchen wir einen Platz irgendwo im Gang und erzählen unsere Geschichte zum fünften oder sechsten Mal. Auch Mr. Adam wird vernommen, und nachdem er ablehnt, uns einen Teilbetrag zurückzuerstatten, wird er in Untersuchungshaft genommen. Die Zelle können wir nicht sehen, aber wir sehen das Gedränge, wenn Besuchszeit ist und Freunde und Verwandte Essen bringen. Den Polizisten von der Außenstelle bringen wir zurück zu seiner Wache und er sagt, er habe großen Ärger mit der Nachbarschaft, weil er zu uns und nicht zu denen halte und meint dann: „Ich habe großen Hunger. Ich brauche jetzt ein Abendessen“. Aber wir hüten uns, einen Beamten zu bestechen.
 
Am nächsten Morgen wird Adam mit der Auflage, sich zur Verfügung zu halten,  auf freien Fuß gesetzt. Detective Sergeant Ambukhege übernimmt die Ermittlungen. Sein Büro im Hinterhof teilt er mit drei oder vier anderen Ermittlern. Auf den schiefen Schränken stapeln sich vergilbte Akten bis zur Decke, die voller Schimmelflecken ist. Die Isolierung besteht aus trockenem Laub, das an manchen Stellen aus den Rissen quillt. Der Lichtschalter hängt lose an einem Kabel, das offen auf der feuchten Wand verlegt ist. Auf dem Boden stehen ein rostiger Tresor ohne Türe und verschiedene kleinere und größere Kisten. An einer Wand steht eine kleine wackelige Sitzbank, die fast zusammenbricht, als sich eine dicke Mama neben uns breit macht.
Ambukhege studiert die Akten. Sein Handy klingelt unablässig und immer wieder muss er seinen Sitzplatz räumen, weil irgendeiner irgendetwas aus seiner Schublade oder einem Schrank hinter seinem Schreibtisch braucht. Erst befragt er Tanja und will dann die Leute von der Toyota Werkstatt vernehmen. Natürlich hat auch er kein Auto und so fahren wir ihn dorthin und sitzen wieder einmal stundenlang im Hof, bis wir ihn wieder in die Wache bringen dürfen. Anschließend will er noch den Händler befragen, der Adam die gefälschten Teile verkauft hatte und am nächsten Morgen soll dann eine Lösung herbeigeführt werden. Wir werden auf 8:00 Uhr einbestellt und auch Adam ist schon da. Ambukhege kommt um 9:30 Uhr und erklärte, er habe mit Adam gesprochen und der sei jetzt bereit, ein Drittel des Betrags zurückzuerstatten, wenn er die Teile zurückbekomme. Wir akzeptieren und erfahren dann, leider habe er kein Geld und müsse erst einmal die Teile verkaufen und sich den Rest bei Freunden leihen, das dauere bis 16:00 Uhr. Jetzt platzt uns der Kragen. Wir wollen unser Geld sofort, wollen sofort das Land verlassen, heute noch weiter nach Nairobi. Jetzt muss der Chef der Wache ein Machtwort sprechen.
Der schreit den „Verdächtigen“ an und versichert uns dann, in höchstens einer Stunde sei der Fall erledigt. Tatsächlich erscheint die Frau von Adam und bringt das Geld. Wir müssen unterschreiben, dass wir den Fall nicht weiter verfolgen werden. Die Teile werden einbehalten. Für uns ist die Sache erledigt.
 
Harrison, der Unfallverursacher, bezahlt nach massiven Bedrohungen die Rechnungen der Werkstätten in Bunda und Musoma. Wir verlieren 600.000 Tansania Schilling (rund 360 €) und eine Woche Zeit und bleiben auf unseren sonstigen Auslagen sitzen. Das Visum für Kenia ist jetzt noch vier Tage gültig, so dass wir eine Verlängerung beantragen müssen. Auch für die Änderung unserer Reiseroute entschädigt uns niemand. Der Schaden am Auto ist mehr schlecht als recht behoben, es bleibt eine verbeulte Felge und ein beschädigter Reifen.
 
Wir lernen fürs nächste Mal: Wir lassen uns vom Unfallverursacher direkt vor Ort so viel Geld geben, wie der halt dabei hat, lassen das Fahrzeug in einer Werkstatt unseres Vertrauens fachgerecht reparieren und bezahlen den Rest selbst…