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Im Westen nichts Neues
Präsidentschaftswahlen im Kongo

Denis Sassou-Nguesso ist seit 25 Jahren Präsident der Republik Kongo und setzt alles daran, das auch zu bleiben

"Die Hand Gottes": Wahlplakate des  Präsidenten des Kongo Denis Sassou-Nguesso

"Die Hand Gottes" lässt er sich gerne nennen, den "Botschafter", den "unermüdlichen Kämpfer". Denis Sassou-Nguesso ist Präsident der Republik Kongo. Das ist er schon lange und das will er auch bleiben.

Seit Jahrzehnten an der Macht
Der  66jährige regiert sein Land, mit einer Unterbrechung von fünf Jahren in den 1990er Jahren, seit 1979, und dass er will, dass das so bleibt, hat einen Grund: Sein Amt hat ihn reich gemacht.

So reich, dass sich selbst im ehemaligen Mutterland Frankreich Unmut regt: Haftbefehl wegen Korruption, Betrug, Unterschlagung und persönlicher Bereicherung am Nationalvermögen des Kongo wurde dort gegen ihn erlassen, aber Sassou-Nguesso zeigt sich unbeeindruckt und will seinem Land „den Weg in die Zukunft“ weisen.

Die Bilanz
Dabei hätte er 25 Jahre Zeit dazu gehabt. Doch die Bilanz dieser langen Zeit an der Spitze des Kongo liest sich eher ernüchternd: 70% der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, nur ein kleiner Bruchteil der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche wird bestellt, und das Land ist in hohem Maße von Nahrungsmittelimporten abhängig. Die Infrastruktur ist in einem desolaten Zustand, die Straßenverbindung zwischen der Hauptstadt Brazzaville und dem Seehafen Pointe Noire ist kaum mehr befahrbar, und zudem wird das Gebiet zwischen den einzigen beiden Großstädten von militanten Rebellen kontrolliert.
 
Alles bleibt, so wie es ist
Am 12. Juli 2009 sind Wahlen im Kongo, und kaum jemand hat einen Zweifel daran, dass Denis Sassou-Nguesso im Amt bleiben wird. „Jeder hat Fehler“, sagt Roger, „aber Sassou-Nguesso hat viel Erfahrung und er kennt sein Land.“ Roger ist stellvertretender Leiter eines Straßenbauprojekts in einer der nördlichen Provinzen. Wie viele Menschen in dieser Gegend trägt er eines der T-Shirts mit dem Konterfei des Präsidenten, die überall im Land kostenlos unters Volk gebracht wurden. „Natürlich wähle ich ihn“, sagt er, „alle, die Arbeit haben, wählen ihn.“ Und die Mehrheit der Bevölkerung, die keine Arbeit hat? „Die wählen den, der ihnen Geld gibt“, meint Roger. „Wenn Nguesso durch die Dörfer fährt, führen sie ihre Tänze auf, und dafür bekommen sie Geld.  Er ist sehr reich, der Präsident.“
 
Und er hat Erfahrung. Sich wie 1992 bei den ersten freien Wahlen im Kongo mit schmachvollen 17% der Stimmen aus dem Amt jagen zu lassen, wir ihm kein zweites Mal passieren. Dieses mal hat er vorgesorgt: Internationale Beobachter beklagen, die Arbeit der Opposition sei schon im Vorfeld massiv behindert worden, und rund um den Wahltag werden alle Straßen gesperrt und die Grenzen geschlossen, um mögliche Proteste im Keim zu ersticken (wie sich das auf uns auswirkt erfahrt ihr in unserem Fotografischen Tagebuch). Und so wird ein weiteres afrikanisches Land für weitere sieben Jahre seine Eliten mästen und seine kleinen Leute verhungern lassen.