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Grenzformalitäten in Libyen

Erfahrungen mit der Arbeit der in Deutschland ansässigen Agentur SARO und ihrem libyschen Partner SARI

Um ein Visum für Libyen zu erhalten, ist eine „Einladung“ einer libyschen Reiseagentur erforderlich. In Deutschland gibt es einige wenige Büros, die mit solchen libyschen Agenturen zusammenarbeiten, und für die Abwicklung der Formalitäten sorgen.

Wir hatten uns auf eine Empfehlung hin für die Firma SARO Rosenheim entschieden. Nach einem Telefongespräch, einem E-mail-Kontakt und einer ergänzenden Aufforderung per Fax erhalten wir schließlich die erforderlichen Formulare, die wir sorgfältig ausfüllen und zurücksenden. Wenige Tage später kommen per Post drei Rechnungen, von denen zwei sofort und eine an der libyschen Grenze zu bezahlen sind. Außerdem liegt ein offiziell aussehendes Schreiben bei, was die von uns übermittelten Fahrzeugdaten enthält. Als wir nach einer ersten Korrektur erneut Fehler in diesem Formular reklamieren, wird uns von SARO mitgeteilt, dass dieses Papier bei der Abwicklung der Grenzformalitäten in Libyen ohne jegliche Bedeutung sei. Die bezahlten Einladungsschreiben liegen der Sendung nicht bei – mit gutem Grund, wie sich später herausstellt.

Die Firma SARO Rosenheim berechnet für Ihre Bemühungen um die Beschaffung der Einladungsschreiben etwa 105 € inklusive Mehrwertsteuer und Auslagen. Die ebenfalls sofort zu begleichende Rechnung der in Libyen ansässigen Agentur SARI Travel & Tourism für den in Libyen obligatorischen Führer lautet über 350 €, davon 175 € für die Rückreise des Führers von der ägyptischen Grenze nach Tripolis – für die Rückreise eines einzelnen Mannes also etwa soviel, wie wir in den sieben Tagen unseres Aufenthalts in Libyen für uns, für die Besichtigungen und für die Verpflegung und Unterkunft des Führers sowie für etwa 430 l Diesel und vier Stangen Zigaretten ausgegeben haben (unser Führer versicherte uns übrigens, er habe für die Rückfahrt überhaupt kein Geld von der Agentur erhalten).

Die dritte, an der libyschen Grenze zu begleichende Rechnung lautet über 285 €, davon 200 € für libysche Kennzeichen und das libysche Carnet de Passage, und das, obwohl wir vorher  mehrfach erklärt hatten, im Besitz eines international gültigen Carnets zu sein und mithin das libysche Dokument gar nicht zu benötigen. Von SARO erhalten wir die Empfehlung, den Betrag vor Ort zu verhandeln.  Außerdem aufgeführt sind 50 € für die „Assistance“ an der libyschen Grenze sowie 20 € für die Beschaffung der so genannten Dreieckstempels zur Registrierung durch die Ausländerbehörde im Land.

An der libyschen Grenze werden vom Agenten der Firma SARI noch einmal 50 € mehr, also 335 € verlangt, mit der Begründung, die Tarife hätten sich geändert. Außerdem wird behauptet, das internationale Carnet werde in Libyen nicht anerkannt. Nach umständlichen Verhandlungen gelingt es uns schließlich, unser Carnet von der zuständigen Behörde vor Ort abstempeln zu lassen, so dass wir das Libysche Dokument tatsächlich nicht benötigen. Wir müssen trotzdem den vollen Betrag bezahlen, der Agent macht uns klar, dass er in Besitz der erforderlichen Einladungsschreiben ist und wir somit ohne ihn keine Chance haben, ins Land zu kommen.

Über unseren libyschen Führer gelingt es uns, einen Termin beim Chef der Firma SARI zu erhalten. Der lässt uns etwa eine halbe Stunde warten und erklärt uns dann knapp, er sei Geschäftsmann und habe nichts zu verschenken. Wir beharren auf unser Recht und erhalten so schließlich doch den Differenzbetrag zwischen den beiden Rechnungen in Höhe von 50 € und weitere 50 € für das berechnete aber nicht erstellte libysche Carnet zurück. Die tatsächlich von der Agentur an der Grenze zu bezahlenden Gebühren für die libyschen Kennzeichen beliefen sich auf 106 Libysche Dinar, knapp 64  €. Mithin hatten wir neben den 50 € für die „Assistance“ an der Grenze weitere 86 € dafür bezahlt, dass uns die Kennzeichen an der Grenze beschafft worden waren.

Um die Beschaffung der ebenfalls bereits bezahlten Dreiecksstempel mussten wir uns selbst kümmern. Bei der zuständigen Behörde in Tripolis stellte sich heraus, dass die unserem Führer mitgegebenen Papiere unvollständig waren, so dass sich der Beamte weigerte, den Stempel zu erteilen. Nach telefonischer Rücksprache erhält erhielten wir von SARI die Empfehlung, eine andere Behörde in der Stadt aufzusuchen,  die Firma würde mit ihren Beziehungen dafür sorgen, dass der Stempel trotz des fehlenden Dokuments erteilt werde.

Entsprechende Bemühungen – wir suchten im Verlauf von etwa zwei Stunden noch zwei weitere Behörden in der Stadt auf, die Kosten für das Taxi teilten wir uns mit unserem Führer -  blieben erfolglos. Endlich wurde uns von SARI telefonisch die Empfehlung gegeben, in einer anderen Stadt auf unserem Weg nach Osten unser Glück zu versuchen. Erst nach unserer hartnäckigen Weigerung, ohne das erforderliche Dokument die Stadt zu verlassen, konnten wir schließlich einen hohen Beamten der zuständigen Behörde in Tripolis doch dazu bringen, uns den Stempel zu erteilen - ohne die Hilfe der Firma SARI…