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Hoffnung für Rosetta

Opportunity International vergibt Mikrokredite an Kleinstunternehmer in Mosambik und anderswo

Rosetta hinter ihrem Stand in einem Markt in Mosambik

Rosetta ist einundzwanzig. Ihre Mutter ist schon seit Jahren tot. Vielen geht es hier so. Die Krankheit eben. An ihren Vater kann sie sich gar nicht mehr erinnern, der sei im Krieg geblieben, hatte die Mutter gesagt, und seit sie denken kann, lebt sie hier in dieser Bretterbude mitten in Maputo, der Hauptstadt von Mosambik. Rosetta hat nie eine Schule besucht, sie kann nicht lesen und nicht schreiben und wie die meisten Menschen hier versteht sie auch die Landessprache kaum. An eine feste Anstellung ist gar nicht zu denken - 80% sind hier ohne Job - und so tut sie, was ihre Mutter getan hatte, bevor sie starb: Jeden Morgen schleppt sie diesen schweren Sack mit Reis an die nächste Straßenkreuzung, setzt sich drauf und wartet, dass da einer kommt, der Geld hat und ihn kauft. Das passiert nicht oft und so reichts kaum zum Überleben, bis eines Morgens und dieser junge Mann da steht.
 
Jose vor einem lokalen restaurant in einem Markt in MaputoDer junge Mann heißt Josė. Er trägt einen legeren Anzug, ein T-Shirt und ein Hemd und unter dem Arm hat er ein Notizbuch. Er ist in Maputo aufgewachsen und kennt die Stadt wie seine Westentasche. „Achtundsechzig Märkte gibt es hier“, erklärte er uns, „die zahllosen Straßenstände noch nicht einmal mitgerechnet“. Er lenkt seinen klapprigen Wagen geschickt durchs Gewühl und findet seinen Weg durch enge Gassen, über Berge von Müll und durch tiefe Schlammlöcher. „Hier leben meine Kunden“, sagte er, „und ich bin stolz auf meine Arbeit“.
 
Eine Kleinunternehmerin mit ihrem Kleiderstand6Josė ist „Loan Agent“ und arbeitet für Opportunity International, eine Organisation, die Kleinkredite vergibt für Menschen wie Rosetta. „Wir erklären diesen Leuten, wie sie mehr machen können, aus dem was sie tun“, sagt er. „Viele von ihnen machen irgendwelche Geschäfte, aber sie wissen nicht, ob sie überhaupt irgendeinen Gewinn damit machen. Wir lehren ihnen die Grundbegriffe der Betriebsführung, geben Ihnen Tipps, wie sie ihr Angebot der Nachfrage besser anpassen können und leihen ihnen das nötige Startkapital“. Rosetta verkauft ihren Reis jetzt in Portionen, die sich die Kundschaft leisten kann und hat eine Reihe anderer Nahrungsmittel in ihr Angebot aufgenommen. Jetzt laufen die Geschäfte besser, sie hat jetzt Strom in ihrer Hütte und sagt: „Wenn ich einmal Kinder habe, kann ich es mir leisten, sie in die Schule zu schicken“.
 
Bernhard Kiesow mit Trudi Schwartz vor der Entwicklungsbank in Maputo„Wir sind ein kommerzielles Unternehmen“, stellt Trudi klar. Trudi Schwartz leitet die Banco Opportunidade de Mozambique, ein Projekt von Opportunity International, erklärt uns die Strukturen und stellt uns ihre Mitarbeiter vor. „Wir sind registriert als Bank, und als solche mussten wir uns von den klassischen Strukturen einer Entwicklungshilfeorganisation verabschieden“. Seit 2005 ist Opportunity International im Land aktiv, die Bank betreut inzwischen rund 7000 Kreditkunden, verwaltet 14.000 Sparkonten und engagiert sich zunehmend auch in der Provinz. Seit Dezember 2007 schreibt man schwarze Zahlen. Trotzdem sei man auf Spenden angewiesen: „Das Ausbildungssystem in Mosambik ist das dritt schlechteste in ganz Afrika“, sagt Trudi, „und die Infrastruktur auf dem Lande ist schlecht entwickelt. Wir brauchen das Geld für die Ausbildung unserer Mitarbeiter und um weiter expandieren zu können. Was uns aber vor allem von einer normalen Bank unterscheidet“, führt sie weiter aus, „ist unsere Klientel. Die Leute, die wir betreuen, würden in eine normale Bank gar nicht eingelassen werden.“ Die meisten der Kunden sind Analphabeten wie Rosetta und können, wenn überhaupt, nur mit Mühe ihren Namen schreiben und so haben sie hier die Möglichkeit, sich am Schalter mit ihrem Fingerabdruck auszuweisen. „Wir holen die Leute da ab, wo sie stehen und wir begleiten sie mit Rat und Tat, solange sie unsere Kunden sind“, erklärt Trudi. „Das kostet natürlich Geld und deshalb sind unsere Zinssätze viel höher als auf einer normalen Bank. Aber etwa 97% unserer Kredite werden mit Zinsen zurückgezahlt.“
 
Die Beträge um die es dabei geht nehmen sich bescheiden aus: Der durchschnittliche Kredit beträgt 270 US-Dollar, die durchschnittliche Spareinlage gerade mal 40. Nicht viel Geld. Aber dieses Geld macht den entscheidenden Unterschied. Es macht Hoffnung.

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