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Kigoma, 10.Oktober 2007 - Ein Jahr unterwegs

Heute haben wir Jubiläum gefeiert. Ein Jahr unterwegs. 365 Tage, 32.100 km. Wir sind am Strand gesessen, haben den Wellen zugehört und die Sterne beobachtet. Und wir haben uns Geschichten erzählt. Lustige und traurige, spannende und skurrile, schockierende und faszinierende, schaurige und schöne. An jeden einzelnen Tag können wir uns erinnern und jeden der 184 Übernachtungsplätze auswendig aufzählen. Wir haben ein Jahr unterwegs gelebt, intensiv und bewusst.
 
Der Strand an dem wir saßen, liegt bei Kigoma. Kigoma ist eine Kleinstadt am Tanganjikasee im äußersten Westen Tansanias und Endstation einer (in der deutschen Kolonialzeit erbauten) 1238 km langen Eisenbahnlinie, die den indischen Ozean mit dem großen See verbindet. Auf diesen Gleisen war ich 1997 zum ersten Mal nach Kigoma gekommen, und Kigoma war der Endpunkt meiner ersten längeren Reise durch Schwarzafrika geworden: Aus ungeklärten Gründen war ich hier im Stehen bewusstlos geworden, war mit dem Kopf auf ein Eisenrohr stürzt und hatte mir dabei ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen. Die „Flying Doctors“ hatten mich nach Nairobi ausgeflogen und von dort hatte ich einige Tage später die Heimreise angetreten.
 
Heute, 10 Jahre später, fühlen wir beide uns keineswegs am Ende, eher am Anfang unserer langen Reise. Der Platz, an dem wir stehen, liegt 6337 km von unserer Heimatgemeinde Leingarten in Baden-Württemberg entfernt und 3430 km trennen uns von Kapstadt in Südafrika. Würden wir im gleichen Stil weiterreisen hätten wir bis dorthin noch 17.000 km zurückzulegen, würden an 99 weiteren Plätzen übernachten und würden eines schönen Tages Anfang Mai 2008 in Kapstadt einrollen. Doch wer weiß schon, was bis dahin noch alles passieren wird, was uns begeistern, was uns abschrecken wird? Wir wollen es gar nicht wissen. Uns genügt es, zu sein, und uns jeden Tag auf morgen zu freuen.
 
Ein Jahr unterwegs - Zeit für ein Fazit? Was gibt es zu sagen über uns, was über Afrika? Wir wissen es nicht. Wir haben uns auf den Weg gemacht ohne fest umrissene Fragen, ohne klar definierte Ziele, ohne bestimmte Erwartungen und so gibt es jetzt auch keine klaren Ergebnisse, kein eindeutiges Resümee und kein zusammenfassendes Urteil. Wer sich aber die Zeit nimmt wird Antworten finden in unseren Texten und Bildern auf unserer Webseite. Er wird Momentaufnahmen finden, kleine Ausschnitte aus dem Leben in einer anderen Welt, Abbilder eines anderen Daseins, Augenblicke, die nicht immer nur schön waren, an die wir uns aber dennoch gerne erinnern.
 
Die Welt ist voller Wunder, das Leben ist schön und wir dürfen es leben...