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Uganda - ein Schlaglicht

Da fallen einem Namen ein. Schreckliche Namen. Namen, die klingen nach  Terror, Tod und Verderben. Milton Obote und Idi Amin hatten in ihrer insgesamt fast 20 Jahre andauernden Schreckensherrschaft hunderttausende von unschuldigen Menschen umgebracht und Uganda, einst die „Perle Afrikas“ (Winston Churchill) so gründlich ruiniert, dass Yoweri Katuga Museveni, Staatsoberhaupt des Landes seit über 20 Jahren, bei seiner Machtübernahme 1986 vor einem Scherbenhaufen stand und kaum jemand mehr damit rechnete, dass es gelingen würde, hier wieder so etwas wie ein staatliches Gemeinwesen zu etablieren.
 
Aber das ist lange her und nachdem wir die Schlammschlacht im Grenzgebiet zu Kenia hinter uns gebracht hatten, rollen wir nun auf über weite Strecken bestens ausgebauten Asphaltsstraßen in die Hauptstadt Kampala und weiter nach Entebbe, wo sich der internationale Flughafen befindet.
 
Uganda gehört zwar immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt (noch nicht einmal 10% der Bevölkerung hat elektrischen Strom zur Verfügung (wo es Strom gibt sind mehrmalige jeweils länger dauernde Stromausfälle an der Tagesordnung), nur etwa die Hälfte hat Zugang zu sicherem Trinkwasser (bei kaum jemandem allerdings kommt das Wasser aus der Leitung), das Bruttoinlandsprodukt liegt bei nicht einmal 200 € pro Person und Jahr und die durchschnittliche Lebenserwartung bei weniger als 45 Jahren), aber es geht steil bergauf, und das Land kann (auch wenn es von der Wochenzeitung The EastAfrican“ im Vergleich zu den Nachbarländern Kenia und Tansania als „Nachzügler“ (laggard) bezeichnet wird) ein Wirtschaftswachstum von immerhin 6,5% p.a. vorweisen. Zudem wurden jüngst größere Mengen Erdöls entdeckt, so dass viele Menschen hier optimistisch in die Zukunft blicken, und bereits darüber nachgedacht wird, weitere Entwicklungshilfe zurückzuweisen, um sich in seinen Entscheidungen unabhängiger zu machen.
 
„Wir sind auf dem richtigen Weg“, meint Frank, der Besitzer des Hostels in Entebbe, auf dessen Gelände wir campen und er weist die Kritik an dem in Uganda praktizierten Einparteiensystem zurück und meint: „Ich wüsste nicht, wer das hier besser machen könnte als Museveni. Aber schließlich darf ja jeder sagen, was er denkt“. Und in der Tat: Der Kolumnist der „Saturday Vision“, einer ugandischen Zeitung, die als „regierungsnah“ eingestuft wird, scheut sich nicht, über die Konzeptlosigkeit und die fehlenden Führungsqualitäten afrikanischer Staatsoberhäupter im allgemeinen zu lamentieren und nennt dabei den Namen des amtierenden Präsidenten Ugandas in einem Atemzug mit denen seiner Vorgänger Obote und Amin und auch sonst ist sicherlich nicht jeder der gleichen Meinung wie Frank: Sicherlich nicht alle, die in Naguru wohnen, einem Stadtteil Kampalas, der laut „Saturday Vision“ wie kein anderer „zwei Gesichter“ zeigt: In „Upper Naguru“ dem Villenviertel fährt jeder einen neuen Geländewagen, badet im eigenen Swimmingpool und, so schreibt das Blatt, „wenn man genau hinzieht, stellt man fest, dass nicht nur die Autos hier dick sind, sondern auch die Menschen. Die Mehrheit hier versucht, abzunehmen…“, während in „Naguru Go Down“ „Kinder in zerlumpten Kleidern mit Schafen, Ziegen und Nagetieren um Platz in den engen Hütten streiten“.
Offenbar hat die Regierung so etwas wie ein Sozialhilfeprojekt aufgelegt, aber, so regt sich einer, der bestimmt nicht zu den Betroffenen gehört, in einem Leserbrief in der „Saturday Vision“ auf, ist es „schließlich mehr als eine Mahlzeit am Tag, was ein Mensch zum Leben braucht“, und meint er könne „nicht sehen, wie man all das mit 10 US-Dollar im Monat“ finanzieren will. Diejenigen, die Opfer eines der 17.523 Verbrechen wurden, die laut Polizeibericht allein in Katwe, einem Slum mitten in Kampala seit Januar des Jahres registriert wurden, konnten wir nicht um ihre Meinung zur Kompetenz ihrer Regierung fragen.
Aber der Regierungschef, der eigenen Angaben zufolge den Kampf gegen den internationalen Terror sehr ernst nimmt und deshalb hoch steht in der Gunst der USA, ist durchaus auch international nicht unumstritten. So schreibt „Der Spiegel“ (Spiegel 29/2003): „Immer wieder werden Oppositionelle in Uganda drangsaliert, willkürliche Verhaftungen gehören im angeblichen afrikanischen Musterstaat zum Alltag. … Und dass sein Land Milizen finanziert und damit zu den Kriegstreibern im Kongo zählt, ist ein offenes Geheimnis“. Manche meinen sogar, auch ein Teil der Probleme, die Uganda mit Rebellengruppen wie „Lords Resistance Army“ (LRA) und „Allied Democratic Forces“ (ADF) im eigenen Land hat, seien hausgemacht, sind doch ganze Bevölkerungsgruppen im Kabinett unterrepräsentiert oder, wie zum Beispiel die Muslims, gar nicht vertreten. So herrschen im Norden des Landes weiter Anarchie und Gewalt (auch wenn die Regierung des Sudan aus Angst vor Militärschlägen durch die USA der LRA ihre Unterstützung entzogen hat und Friedensgespräche wohl erste Ergebnisse zeigen - die ugandischen Tageszeitung „Daily Monitor“ lässt per SMS darüber abstimmen, ob man den Rebellen Geld geben sollte, damit sie weiterhin an den Gesprächen teilnehmen), aber auch in den Grenzgebieten zur Demokratischen Republik Kongo im Westen gibt es keine Ruhe: Erst vor wenigen Tagen hatte eine Gruppe Unbekannter eine Stadt in Grenznähe überfallen, drei Menschen getötet und mehrere andere verletzt und während der mehrere Stunden andauernden Besatzung zahlreiche Geschäfte geplündert und am 11.8.2007 titelt die „Saturday Vision“: „Spannungen an der Grenze“ und berichtet, dass es, nachdem ein Brite in der vergangenen Woche in der Grenzregion erschossen und zuvor vier ugandische Soldaten offenbar von kongolesischen Militärs gefangen genommen worden waren, mit dem Nachbarland zu Streitigkeiten um den Grenzverlauf gekommen sei. Hier war es übrigens, wo vor kurzem größere Mengen Erdöls entdeckt worden waren…