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„Gott segne euch“
Gibt es Hoffnung für das „ Katastrophenreich“ DR. Kongo?

Flüchtlingslager in Südwest Uganda Flüchtlinge aus DR Kongo

„Gott segne euch“, sagt Nyaghezi und er sagt das in tadellosem Englisch. Das ist erstaunlich, denn Nyaghezi stammt aus der Demokratischen Republik Kongo. Dieses Land war bis 1960 belgische Kolonie und deshalb spricht man dort, neben hunderten von Stammessprachen, heute noch Französisch. „Wir haben sehr gute Lehrer dort“, kommentiert er unsere erstaunten Fragen, „und wenn ich, so Gott will, eines Tages wieder in meine Heimat zurückkehren kann und wenn ich mir das dann leisten kann, dann werde ich weiter lernen“.
 
Wir stehen auf einer Wiese etwas außerhalb der Kleinstadt Kisoro im äußersten Südwesten Ugandas, nur wenige Kilometer von der Grenze zur DR Kongo (und derjenigen zu Ruanda) entfernt. Neben uns stehen eine Reihe großer Zelte, ein paar Dixi – Klos und zwei riesige schwarze Wassertanks und man könnte sich vorkommen wie auf einem Rockfestival, wären da nicht die weißen Landcruisers des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) und der „Ärzte ohne Grenzen“ und die vielen Kinder, die sich um uns drängen und uns mit großen Augen anstarren. „Zu Fuß sind wir hierher gekommen, vor vielleicht drei oder vier Wochen. Wir haben mitgebracht, was wir tragen konnten, und die Kleinen haben mitgeholfen, so gut sie konnten“. Nyaghezi ist 17 und erzählt mit einem etwas verlegenen Lächeln von einem Drama, an das sich die Menschen in der DR Kongo schon gewöhnt zu haben scheinen. Das „Katastrophenreich“ „wurde von den Belgiern brutal ausgebeutet, von Diktator Mobutu geschändet, versank dann im Krieg“ (Spiegel Spezial Geschichte 2 / 2007). Allein zwischen 1998 und 2002 sollen in den Wirren eines der blutigsten Bürgerkriege der Menschheitsgeschichte (übrigens unter maßgeblicher Beteiligung der Nachbarländer Uganda und Ruanda) mehr als 3 Millionen Menschen ums Leben gekommen sein. 2006 wurden unter dem Schutz der Vereinten Nationen erstmals seit Jahrzehnten relativ freie Wahlen abgehalten (die Internationale Gemeinschaft hatte sich das 400 Millionen US-Dollar kosten lassen) und heute noch sind die UN Truppen überall im Lande stationiert und versuchen „mit einem Aufwand von 3 Millionen US-Dollar täglich“ (lt. Angaben von Pawlow s.u.) den brüchigen Frieden in dem Vielvölkerstaat zu sichern und trotzdem nimmt
der Wahnsinn kein Ende.
 
„Niemals“, hatte Pawlow lakonisch geantwortet, als wir ihn gefragt hatten, wann es denn mal besser würde im Kongo. Wir hatten den Kroaten vor ein paar Tagen auf den Ssese Inseln in Uganda kennen gelernt, wo er gemeinsam mit seiner Frau Urlaub machte vom anstrengenden UN Einsatz in Kinshasa (und wo wir gemeinsam sieben Stunden lang auf die Fähre gewartet hatten, die angeblich einen Motorschaden hatte). „Niemals. Die meisten Leute dort haben keine Ausbildung und keine Perspektiven. Ich bin nur ein einfacher Soldat und interessiere mich nicht besonders für Politik. Aber eine demokratische Wahl in so einem Land? Das ist doch eine Farce!“
 
„In unserer Heimat [der Provinz Nord - Kivu im Osten der Demokratischen Republik Kongo] herrscht Krieg“ erklärt Nyaghezi, „Regierungstruppen gegen irgendwelche Rebellen. Und so haben uns UN Leute empfohlen, unsere Dörfer zu verlassen. Natürlich wollen wir zurück in unsere Heimat, so bald wie möglich. Aber wenn die dort unsere Häuser finden, die werden alles zerstören. Und dann sind wir wieder arm und ich kann nicht mehr weiter lernen“. Das Lächeln ist aus seinem Gesicht gewichen und er erläutert die Alternativen für sich und die rund 700 anderen Menschen im Camp: „Das ist nur ein Auffanglager. Wenn es nicht bald Frieden gibt, werden wir umgesiedelt. Nach Nkokangira“. Nkokangira liegt bei Mbarara, etwa 200 km nordöstlich von hier in Western Uganda. Dort befindet sich eines der „Settlements“, von denen es viele gibt im Land (im Norden für Flüchtlinge aus dem Sudan) und die in Uganda ein Teil des Alltags sind und immer wieder Stoff für Berichte in den Zeitungen liefern. „Dann gibt es keine Hoffnung mehr. Aber was können wir tun? Wir können nur beten. Beten für Frieden. Beten, dass ihr mit uns betet. Gott segne euch!“