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Warum fahren wir durch Afrika?

Dieser Artikel wird im Diskussionsforum diskutiert...

Die Frage nach den Motiven, eine solche Reise zu unternehmen, lässt sich letztlich reduzieren auf die uralte Frage nach dem Sinn des Lebens. Da wir keine großen Philosophen sind, wollen wir die Frage enger fassen und voraussetzen, dass das Leben einen Sinn hat, darüber hinaus einen individuellen und dass das Tun und Lassen im Leben darauf ausgerichtet ist, diesen Sinn zu erfüllen.
Genauer müsste man also fragen: „Was treibt jemanden dazu, genau das zu tun oder zu lassen, was er eben gerade tut oder lässt?“ Im täglichen Leben in Europa stellt sich kaum jemand je diese Frage, sondern geht eben arbeiten, legt sich eben abends auf die Couch, sieht fern oder liest ein Buch, geht eben ins Theater, ins Kino oder in ein Museum, baut eben ein Haus, gründet eben eine Familie oder kauft sich ein eben schnelles Auto. Würde man nach den Motiven dafür fragen, würde man sicher zunächst Erstaunen hervorrufen, und würde man dann doch eine Antwort erhalten, so wäre diese, würde sie denn hinausgehen über ganz oberflächliche Aussagen (wie z. B.: „Ich gehe ins Kino, um mich zu entspannen“) vielschichtig sein und sich nicht in einem Satz zusammenfassen lassen.
 
Entscheidungen für oder gegen etwas trifft man bekanntlich zu einem ganz überwiegenden Teil „aus dem Bauch heraus“, das heißt ein schwer fassbares Etwas trifft letztlich die Entscheidung. Das was man nachher als Grund für die Entscheidung formuliert, ist nicht viel mehr als der Versuch des Geistes, das Tun des Individuums ihm selbst gegenüber zu rechtfertigen und glaubhaft zu machen, es habe Entscheidungsgewalt über das eigene Tun. Insofern ist die Antwort auf eine solche Frage natürlich wenig interessant und damit letztlich auch die Frage selbst müßig.
 
Lässt man aber trotzdem das Ergebnis des Nachdenkens über eine solche Frage als Antwort auf eine solche Frage zu, kann man zu dem Schluss kommen, dass ein ganz wesentliches Motiv allen Handelns die Abgrenzung des eigenen Ich gegenüber seiner Umgebung ist, das Spüren, was macht diese Umgebung, dieses Buch, diese Droge, diese Form der Meditation mit mir, wie verändere ich mich, was in mir und was im Außen ist wahr, was nur Urteil meines unzulänglichen Geistes, was, was ich bisher so gesehen habe, kann man auch anders sehen. Dieses Nachspüren erfordert Bewegung, ein Sichhineinbegeben in eine Umgebung oder eine Situation, die sich in wesentlichen, vielleicht gar nicht auf Anhieb fassbaren Dingen unterscheidet von dem, was mich bisher umgeben hat. Wie, wenn nicht auf einer solchen langen Reise ins Ungewisse, könnte man sich intensiver bewegen in diesem Sinne, könnte man intensiver er-leben?
 
Wir haben immer versucht unsere Reiseberichte nicht in Form einer Aufzählung der besuchten Orte oder im Stil eines Reiseführers zu verfassen, sondern vielmehr das Außen durch unser Erleben zu spiegeln und dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass für uns zum Beispiel ein Aufenthalt in der Weißen Wüste Momente solch intensiven Erlebens mit sich bringt und zwar ohne, dass wir das vorher gesucht oder gar erwartet hätten (insofern wollen wir übrigens auch der Behauptung widersprechen, man nehme nur wahr, was man erwartet). In diesem Sinne lassen sich auch Begegnungen mit anderen Menschen als ein Erlebnis sehen, die Momente, in denen man spürt, mit wie viel Reichtum Armut in unserem rein materiellen Sinne verbunden sein kann, die Augenblicke, in denen man fühlt, wie arm doch unsere von Kindheit an erlernten Kategorien von Gut und Böse, Richtig und Falsch sind, die, in denen man erkennt, was für eine wichtige Rolle die Religion spielt im Menschsein und wie Kultur doch letztlich immer ein Ausdruck eines Glaubens ist, wie unterschiedlich man die Welt sehen, in sich aufnehmen und in irgendeiner Form wieder von sich geben kann. Hinzu kommen die Begegnungen mit den vielen interessanten Menschen, die ebenfalls auf Reisen sind (schon allein das wäre die Reise wert) und last but not least der Wunsch, einmal eine lange Zeit einfach nur zu zweit zu sein.
 
Letztlich können wir die also die Frage danach, warum man eine solche Reise macht, doch ganz einfach beantworten, nämlich mit der Gegenfrage: „Was kann es für einen Grund geben, eine solche Reise nicht zu unternehmen?!“