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FAQ - Häufig gestellte Fragen

Immer wieder werden wir von anderen Reisenden, von Freunden und Familie, aber auch von verschiedenen Zeitungen und im Radio interviewt. Hier eine Zusammenfassung der interessantesten Fragen...

...unterwegs


 
Wie alt seid ihr denn? Was habt ihr vor der Reise gemacht? Wie und wann habt ihr euch kennen gelernt? Ward ihr vorher schon mal in Afrika?

Tanja Kiesow, geboren 1971 in Heilbronn, aufgewachsen in Leingarten, Erzieherin, von 1996 bis August 2006 fest angestellt im Kindergarten Kelterstraße der Gemeinde Leingarten. Tochter Jana, Jahrgang 1987.

Dr. Bernhard „Kim“ Kiesow, geboren 1961 in Kassel, aufgewachsen in Kirchhausen und Leingarten, Studium in Würzburg, Erlangen und Frankfurt am Main, von 1999 bis 2006 niedergelassen als hausärztlicher Internist in Nordheim/Württemberg

Gemeinsamer Lebensweg

Kennen gelernt im März 2000 in einem Biergarten in Heilbronn und sofort ineinander verliebt. Die erste Frage von Kim soll nicht die nach Tanjas Namen gewesen sein, sondern: „Kannst du dir vorstellen, mit mir mal auf eine lange Reise zu gehen?“ Trotzdem haben wir uns erstmal Zeit gelassen und den gemeinsamen Lebensweg langsam angehen lassen. Ob das zusammen mit uns funktioniert haben wir auf vielen gemeinsamen Reisen ausführlich getestet: wir waren, meist mit dem Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln, zusammen in Thailand, in der Türkei, der Dominikanischen Republik, Costa Rica, Panama, Kambodscha, Myanmar ( Burma), Sumatra (Indonesien), USA, Tunesien, Namibia, Botswana, Ägypten, Sulawesi (Indonesien), Irland, Norwegen, Italien, Mauritius, Tschechien, Slowakei, Slowenien und haben zahlreiche Wochenendausflüge mit dem Motorrad oder zum wandern in deutschen Landen unternommen Also war Afrika nicht gerade der Schwerpunkt. Die Reise nach Namibia und Botswana (im gemieteten Geländewagen) war aber doch ein ganz besonderes Erlebnis von „Freiheit und Abenteuer“ und hat so sicherlich zu dem späteren Entschluss, ausgerechnet durch Afrika zu fahren, beigetragen. Bei einigen der Reisen war auch Tanjas Tochter Jana mit dabei.

Nach viereinhalb Jahren haben wir einen weiteren großen Schritt in eine gemeinsame Zukunft gewagt und sind im Herbst 2004 zu dritt in eine Wohnung in einem Aussiedlerhof bei Nordheim/Württemberg gezogen.

Unser großer gemeinsamer Wunsch von Anfang war, einmal auf eine lange Reise zu gehen. Als Jana schließlich 19 Jahre alt war und in Ausbildung und auf dem besten Weg ihre eigene Lebensreise zu gestalten war es dann so weit. Wir begannen, unsere Träume zu konkretisieren, und als sich dann im Mai 2006 die Gelegenheit ergab, die Praxis zu verkaufen stand fest: Es geht los! Wohin es denn dann losgehen sollte, war zunächst nicht klar. Irgendwann hat es sich dann ergeben: wir kaufen uns einen Geländewagen und fahren durch Afrika! Als wir dann unsere besten Freunde in unsere Pläne einweihten gab eine Freundin, von Beruf Richterin, zu bedenken: Ihr solltet verheiratet sein, bevor ihr euch auf so eine lange Reise macht! "Gute Idee", fanden wir, und machten sofort den Termin klar. Am 5.8.2006 fand auf dem Bauernhof in Nordheim eine riesen Hochzeits- und gleichzeitig Abschiedsparty statt

Am 10.10.2006 sind wir in Leingarten zu unserer großen Reise durch Afrika aufgebrochen...

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Erzählt ein bisschen was über die Vorbereitungen der Reise. Wie habt ihr eure Visa etc. beschafft?
Die Vorbereitungen auf eine solche Reise sind tatsächlich sehr umfangreich und zeitaufwändig und in keiner Weise zu vergleichen mit der Vorbereitung auf eine normale Urlaubsreise. Es ist kaum zu glauben, in wie vielfältiger Weise man in Deutschland organisiert und ins „öffentliche Leben“ eingebunden ist. Es ist zum Beispiel nicht möglich, einfach keine Adresse mehr zu haben. Keine gesetzliche Krankenversicherung deckt das Risiko einer Reise durch Afrika ab. Der Verkauf einer Arztpraxis ist fast so aufwändig wie eine Existenzgründung. Vielerlei rechtliche und finanzielle Dinge sind zu regeln (Finanzamt, Rentenversicherung, Verträge mit den Angestellten und den Krankenkassen, Wartungsverträge für Praxisgeräte und so weiter und sofort), so dass ein großer Teil der Vorbereitungszeit nur ganz indirekt mit der eigentlichen Reise zu tun hat.

Schon eher reisespezifisch war die Organisation der notwendigen Ausrüstung. Auch das war völliges Neuland für uns, da wir bislang ja meist mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs waren und von Autos wenig, von Geländewagen überhaupt keine Ahnung hatten. Auch gibt es niemanden, der einen dabei in allen Belangen umfassend beraten könnte, es gibt Bücher zu einzelnen Aspekten, aber nichts was alle notwendigen Informationen liefern würde. So haben wir zahlreiche Bücher gelesen, verschiedene Messen und Globetrottertreffen besucht, tagelang im Internet recherchiert und so weiter. Das Ergebnis war dann letztlich doch ganz zufrieden stellend, auf unserer bisherigen Reise haben wir nichts festgestellt was wir völlig vergessen oder total vernachlässigt hätten. Unser Toyota Landcruiser scheint wirklich das Optimum für Afrika zu sein und wir haben auch auf Strecken, die sich andere gar nicht zu befahren trauen jederzeit noch jede Menge Reserven.

Entgegen der weit verbreiteten Vorstellung haben wir der Planung der Reiseroute weit weniger Zeit gewidmet. Von Tunesien bis Sudan ist der Weg weit gehend durch die politischen Gegebenheiten vorgezeichnet (ab dem Sudan hätte es die Möglichkeit gegeben noch einen Ausflug über Eritrea und Dschibuti zu machen, anstatt direkt nach Äthiopien zu fahren). Ab Kenia gibt es dann zahlreiche verschiedene Möglichkeiten und da haben wir auch noch keine genauen Vorstellungen über den weiteren Reiseverlauf. Die genaue Reiseroute wird vor Ort entschieden. So bleiben wir immer flexibel und können von Tipps von anderen Reisenden und Einheimischen profitieren

Die Beschaffung von Visa erfolgt überwiegend im Nachbarland. Einzig für Libyen (siehe dazu unsere ausführlichen Artikel Reisepraktische Informationen und Grenzformalitäten in Libyen – Erfahrungen mit der Arbeit der in Deutschland ansässigen Agentur SARO und ihrem libyschen Partner SARI) und Ägypten (im Prinzip ist es für Deutsche in Ägypten möglich, das Visum an der Grenze zu erhalten; das ägyptische Konsulat in Frankfurt hatte uns aber dringend geraten, das Visum im Voraus zu beschaffen, weil man am Grenzübergang von Libyen nach Ägypten nicht mit dem Procedere der Einreise von Europäern vertraut ist) haben wir die Visa schon vor der Abreise besorgt. Bei unserer Reisegeschwindigkeit kann man Visa für die folgenden Länder nicht im Voraus beschaffen, da diese dann bereits bei Grenzübertritt nicht mehr gültig sind. Informationen darüber, wie und wo man vor Ort Visa beschaffen kann, recherchieren wir überwiegend im Internet oder erhalten Tipps und Hinweise von anderen Reisenden. Reiseführer und andere Bücher sind diesbezüglich meist veraltet

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass eine solche Reise ohne eine Kontaktperson zuhause praktisch nicht durchzuführen ist. Anfragen von Behörden oder Versicherungen sind zu beantworten, Bankgeschäfte zu erledigen und so weiter. Diesen Job übernimmt dankenswerterweise Kims Mutter.

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Wie waren die Überlegungen/Sorgen etc.

Unsere Sorgen galten überwiegend Gewaltkriminalität und schweren Erkrankungen. Inzwischen wissen wir aber, dass die Gefahren einer Reise durch Afrika in der Regel bei weitem überschätzt werden. Bis auf eine Malaria tropica haben wir keinerlei afrikaspezifische Erkrankungen gehabt und haben bis auf ein paar versuchte (!) Taschendiebstähle und andere Kleinigkeiten keine Erfahrungen mit Kriminalität machen müssen. Durch unsere zahlreichen bisherigen Reisen haben wir sicherlich inzwischen auch ein Gefühl für schwierige oder gefährliche Situationen entwickelt. Bevor wir in ein neues Land reisen oder in eine Gegend fahren, die nicht auf der Hauptroute liegt, informieren wir uns auf der Webseite des Auswärtigen Amtes oder bei der deutschen Botschaft im jeweiligen Land, auf Webseiten anderer Reisender oder bei Einheimischen oder Landeskennern über potentielle Gefahren. Über gesundheitliche Gefahren haben wir uns natürlich vorab ausführlich informiert und haben eine gut bestückte „Hausapotheke“ dabei. Vor Ort holen wir jeweils Informationen ein, wie es z. B. um die Malariagefahr bestellt ist.

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In euren Texten schreibt ihr viel über die Verhältnisse vor Ort, auch über Politisches - wie habt ihr euch darauf vorbereitet/ informiert

Die Beschaffung von Informationen ist ein vielschichtiger Prozess, der einen großen Teil einer solchen Reise ausmacht. Von allen Ländern, die wir bereisen, haben wir Reiseführer, sofern es welche gibt (, fahren allerdings am liebsten in Gegenden, die nicht im Reiseführer stehen). Bevor wir in ein Land kommen, lesen wir meist auch noch andere Bücher, zum Beispiel Autobiografien oder Erlebnisberichte. Als Vorbereitung auf unseren Aufenthalt im Sudan haben wir zum Beispiel gelesen: „15 $ für ein Leben“ und „Sklavin“, beides Bücher, die sich mit der Tatsache der Sklaverei im Sudan im einundzwanzigsten Jahrhundert befassen. Bevor wir nach Äthiopien gereist sind haben wir vorher „Feuerherz“ gelesen, ein Buch dessen Autorin in Eritrea im Krieg gegen Äthiopien als Kindersoldatin eingesetzt war. Aussagen, die in solchen Büchern getroffen werden, überprüfen wir dann z. B. mithilfe einer Internetrecherche, oder wir sprechen mit Leuten vor Ort, die zum Beispiel als Mitarbeiter von Hilfsorganisationen mit den täglichen Realitäten beschäftigt sind. Letztlich sind viele Dinge natürlich auch bei genauer Betrachtung vor Ort offensichtlich (vergleiche auch unseren Artikel über Khartum)

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Wie ist der Kontakt mit der Bevölkerung? Geht es über das "Give me" hinaus?
 
In Äthiopien ist der Kontakt zur Bevölkerung in der Tat häufig schwierig, weil man sich tatsächlich kaum frei bewegen kann. Hinzu kommt natürlich die Sprachbarriere. Intensivere Gespräche haben wir so vor allem mit Hotelpersonal oder einheimischen Gästen in Hotels oder aber auch mit den Führern, die sich fast überall anbieten, die häufig ganz gut Englisch sprechen und viel über die Verhältnisse vor Ort erzählen können. In anderen Ländern war das häufig ganz anders: in Tunesien beispielsweise sind wir spontan von einer Familie zum Essen eingeladen worden (da ging die Konversation auf Französisch ganz gut) und auch sonst gab es häufig herzliche Kontakte auch ohne dass man sich sehr gut sprachlich verständigen konnte (vergleiche z. B. auch unseren Artikel über den Süden des Sudan, wo wir in einem kleinen Rundhüttendorf übernachtet haben oder auch den Exkurs „Zu Gast bei einer libyschen Familie“. Insgesamt ist der Kontakt zu einheimischen Bevölkerung einer der für uns wichtigsten Punkte bei einer Reise überhaupt.

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Wie lange bleibt ihr an einem Platz? Was macht ihr den Tag über, wenn ihr nicht unterwegs seid?

Wie lange wir an einem Platz bleiben, ist sehr unterschiedlich. Bislang haben wir uns zwischen einem Tag und dreieinhalb Wochen an einem Platz aufgehalten. Mit der Dauer der Reise nimmt der Wunsch zu, mal auch für eine Zeit lang wieder irgendwo „daheim“ zu sein. Ab und zu denken wir mal darüber nach, irgendwo für ein oder zwei Monate ein kleines Häuschen zu mieten. Bislang hat sich da aber nichts Passendes ergeben.
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Die schriftliche und fotografische Dokumentation unserer Reise nimmt viel Zeit in Anspruch. Anfänglich haben wir das manchmal als belastend empfunden, inzwischen haben wir aber das Gefühl, dass es sehr wichtig ist, neue Eindrücke auch intensiv zu verarbeiten. Dabei hilft uns die schriftliche Fixierung und natürlich sprechen wir auch häufig stundenlang über unsere Eindrücke und Gefühle, meist miteinander, wenn wir in Gegenden sind, wo wir andere Touristen treffen, dann häufig aber auch mit anderen.
Letztlich sind auch immer wieder Wartungsarbeiten am Auto zu erledigen und andere „Hausarbeiten“ durchzuführen. Nach langen Pistenfahrten ist das Innere des Wagens häufig mit einer dicken Staubschicht überzogen, außerdem vibrieren sich zahlreiche Schrauben raus. Das Auto ist natürlich ganz anderen Belastungen ausgesetzt, als in Europa, so fallen auch entsprechend häufig Wartungs- und Inspektionsarbeiten an. Außerdem müssen Behördengänge absolviert werden und viel Zeit verwenden wir auch auf die Vorbereitung der jeweils nächsten Reiseetappe, auch wenn wir keine detaillierten Pläne machen, sondern jeweils von einem Tag auf den anderen entscheiden.

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Wie finanziert ihr eure Reise?

Wir haben in der ganzen Zeit, in der wir gearbeitet haben, unser Geld zusammen gehalten und nicht für Luxusgüter ausgegeben. Wir hatten nie ein Haus oder eine Eigentumswohnung. Auch auf unsern zahlreichen Reisen haben wir stets sparsam gewirtschaftet. Natürlich sind die Kosten für die Lebenshaltung in den meisten afrikanischen Ländern weitaus geringer als in Europa. So gaben wir in Äthiopien für eine Hotelübernachtung zum Beispiel zwischen 2 und 10 € aus (natürlich gibt es vielerorts auch sehr viel teurere Hotels, in Addis Abeba zum Beispiel kann man bis zu 4200 $ für eine Nacht ausgeben), meist schlafen wir aber für umsonst oder wenig Geld im Auto.
 
Natürlich bleiben trotzdem eine Reihe von Ausgaben, bei denen man nicht sparen kann: zum Beispiel Gebühren für Visa, Schiffspassagen, Eintrittsgelder für Nationalparks, Museen oder historische Stätten, Wartungs- und Reparaturkosten für unser Auto und so weiter. Deshalb wäre es natürlich schön, wenn wir einen Sponsor hätten

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Vermisst ihr etwas aus der Heimat?

Nach etwa fünfeinhalb Monaten auf Tour kam gelegentlich so etwas wie Heimweh auf, das hat sich aber schnell wieder gelegt. Dabei vermissten wir keine materiellen Güter, ganz gelegentlich schwärmen wir uns mal gegenseitig vor, wie gut jetzt z. B. ein Schweinebraten mit Spätzle wäre. Was wir aber doch häufiger vermissen sind gesellige Abende mit der Familie oder mit Freunden. Wir freuen uns sehr, dass uns Jana immer wiederbesuchen kommt - das letzte Mal sogar zusammen mit unserer Enkeltochter Malia - und ein kleines Stückchen Heimat mitbringt.

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Was habt ihr als Gepäck dabei?

Natürlich haben wir sehr viele Dinge dabei. Den geringsten Teil machen die Sachen aus, die man normalerweise mit in den Urlaub nimmt. Unser Auto ist ausgerüstet wie ein kleines Wohnmobil, mit Gaskocher, einem Tank für Frischwasser und einem Kühlschrank (vergleiche auch die Ausstattungsliste). In einem der Staufächer führen wir Lebensmittelvorräte mit. Natürlich haben wir einiges an Werkzeug und Autorersatzteilen dabei, außerdem Material zur Bergung des Autos, wenn dieses einmal stecken bleibt. Wir können im Auto schlafen, haben aber zusätzlich eine komplette Camping - Ausrüstung mit Schlafsäcken, Campingtisch und -Stühlen dabei. Dann gibt es einen Koffer mit einer recht umfangreichen „Hausapotheke“, zahlreiches Computerzubehör und ein Satellitentelefon.

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Gibt es ein nettes Anekdötchen, das ihr erzählen könnt?

Natürlich passieren hier täglich erzählenswerte Geschichten und Geschichtchen. In Äthiopien haben wir zum Beispiel ein englisch - kanadisches Paar kennen gelernt, welches von Südafrika aus mit dem Auto nach England unterwegs ist und weil ihr Fahrzeug nicht für den Sudan taugt von Äthiopien aus über Dschibuti, den Jemen, Saudi-Arabien und die östlichen Mittelmeerländer nach Europa zurückfahren will. Als wir ihnen erzählten, dass unverheiratete Frauen kein Visum für Saudi-Arabien bekommen, haben sie spontan beschlossen, zu heiraten und das auch sofort in die Tat umgesetzt. So waren wir zu einer recht ungewöhnlichen Hochzeit in einem Park in Addis Abeba eingeladen. Eine Geschichte aus dem Sudan ist auch im Internet veröffentlicht: …Auf der Weiterfahrt kündigen bald einige große Felsen die nahen Berge an, ein paar Tamarisken und Baobabs ergänzen die Szenerie zu einem perfekten Lagerplatz für die Nacht und wenig später verbreiten die Grillwürste aus unseren Weihnachtvorräten über dem Lagerfeuer einen köstlichen Duft. Hirten auf Kamelen treiben eine riesige Rinderherde vorbei und es ist schon dunkel geworden als in der Stille der Nacht ein Fahrzeug zu hören ist. Ganz in der Nähe unseres Lagerplatzes hält das Gefährt und wir können mit dem Fernglas einige Männer im Licht der Scheinwerfer hantieren sehen. Sie entzünden ein kleines Feuer haben aber offenbar nicht angehalten, um die Nacht hier zu verbringen. Die unklare Situation macht doch ein etwas ungutes Gefühl, so dass wir uns schließlich, immer wieder laut den arabischen Gruß „Friede sei mit euch“ rufend, vorsichtig der Gruppe nähern. Die Männer reagieren nicht und verhalten sich ganz still, so dass wir doch ein wenig Angst bekommen. Als wir schließlich nahe genug sind, dass sie uns deutlich erkennen können, stehen sie von ihrem Nachtmahl am Lagerfeuer auf, begrüßen uns freundlich und zeigen uns den Grund für ihren unfreiwilligen Aufenthalt: einen platten Reifen an ihrem Traktor. Wir verbringen eine ruhige Nacht in dieser herrlichen Umgebung…

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Was muss man können, um eine solche Reise durchzuführen? Welche Eigenschaften sollte man mitbringen?

Es macht vieles leichter, wenn man ein bisschen englisch und französisch spricht. Auch ein wenig technisches Verständnis kann nicht schaden. Darüber hinaus braucht man Ausdauer und Durchhaltevermögen, Organisations- und Improvisationstalent und ein erhebliches Maß an Frustrationstoleranz. Am wichtigsten aber ist Respekt vor Andersdenkenden und die Bereitschaft, täglich dazu zu lernen.

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Mit welcher Art Problemen hat man es denn auf so einer Reise zu tun?

Da ist zunächst einmal die Beschaffung verlässlicher Informationen - über viele der von uns bereisten Länder ist so gut wie nichts bekannt. Welche Straßen sind befahrbar? Welche Regionen sollte man lieber meiden? Wo gibt es Werkstätten? Wo im Notfall Hilfe? Wo kommen wir unter in der Nacht? Und dann alles, was mit dem Auto zu tun hat: Wie befreien wir das Fahrzeug aus diesem Schlammloch? Wie machen wir jene Brücke befahrbar? Wie können wir die Tankaufhängung, den gebrochenen Stabilisator notdürftig reparieren?

Neben all diesen Problemen eher technischer Art geht es aber immer wieder auch um mentale Herausforderungen: Wie gehen wir um damit, für Wochen fernab jeglicher Zivilisation zu sein? Was, wenn einer krank wird? Aber auch: Wie helfe ich dem Anderen durch diese seelische Krise? Für all das braucht man einen verlässlichen Partner.

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Stichwort Partner: Ihr seid seit fast vier Jahren rund um die Uhr zusammen. Wie macht ihr das?

Man muss zusammenpassen, wenn man eine so große Sache gemeinsam angeht, muss sich als Team verstehen. Wir sind in vielen Dingen sehr unterschiedlich, aber wir begreifen das nicht als Problem, sondern als Chance: es ist häufig sehr hilfreich und auch interessant, die Dinge aus zwei verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Streitet man sich zu Hause schon darüber, wer wieder die Zahnpastatube nicht richtig zugeschraubt hat, ist eine Afrikaumrundung sicher nicht die geeignete Paartherapie. Diese Reise war unsere Hochzeitsreise. Wir sind immer noch sehr gerne zusammen und würden sofort wieder heiraten.

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Solch eine Reise bedeutet auch Entbehrungen. Was habt ihr am meisten vermisst?

Nicht viel. Immerhin haben wir gut 4 Quadratmeter Deutschland durch Afrika chauffiert. Und auf diesen 4 Quadratmetern hatten wir alles, was der so genannte zivilisierte Mitteleuropäer so zum Leben braucht: Kühlschrank, Herd, Bett, und sogar einen kleinen Bücherschrank.

Aber wir haben doch etwas vermisst: Am meisten gefehlt haben uns Freunde und Familie. Aber auch Zeitungen und Zeitschriften, die sich intelligent und differenziert mit der Welt auseinandersetzen: Kunst, Kultur, Wissenschaft, Politik. In Afrika liest man in der Zeitung, eine Hexe habe ein Kind entführt und sei mit ihm auf einem Besen über die Hauptstadt geflogen. Oder das: Ein Mann hat seine Frau erschlagen, weil er meinte, auf ihrem Handy Hinweise für eine außereheliche Beziehungen gefunden zu haben. Er wird zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt, und der Richter sagt in der Urteilsbegründung, aus dem Fall könne man lernen, dass es besser sei, miteinander zu reden, bevor man sich gegenseitig totschlägt.

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Man könnte einwenden, solch eine Mammuttour sei Verschwendung von Zeit und Ressourcen, sinnlose Umweltverschmutzung...

Was den Sinn einer solchen Tour aus dem Blickwinkel der Gesellschaft angeht: Wir denken, eine solche Reise dient der Völkerverständigung, sie fördert die gegenseitige Achtung und Toleranz und führt zu einer Bewusstseinsbildung im Sinne eines "globalen Lernens". Das sind genau die Ziele, die das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit seinem Programm "weltwärts" verfolgt. Da finanziert der Steuerzahler die Entsendung junger Leute in alle Welt, übrigens auch ohne dass das Erreichen dieser Ziele in irgendeiner Form messbar wäre.

Zum Thema Umweltverschmutzung und Verschwendung: Während unserer Abwesenheit hat ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt in Deutschland knapp 5.000 Liter Heizöl für Heizung und Warmwasserbereitung verbrannt und zusätzlich mehr als 10.000 Kilowattstunden Strom verbraucht, was weiteren 1.000 Litern Heizöl entspricht. Der Durchschnittsdeutsche verbraucht 127 Liter Trinkwasser pro Tag, davon spült er allein 34 Liter die Toilette hinunter, während wir häufig Plumpsklos benutzt und uns zum Waschen zu zweit mit einem Eimer Wasser begnügt haben. Er isst Lebensmittel, die um den halben Globus transportiert wurden, bevor sie schließlich, aufwändig verpackt, beim Lebensmitteldiscounter landen - so produziert er jede Menge Müll, ganz zu schweigen vom Aufwand an Energie und Ressourcen -, während wir fast ausschließlich von Produkten gelebt haben, die ohne chemische Spritz- oder Düngemittel produziert wurden und diese direkt vom Erzeuger gekauft, und so so mancher Familie zu einem kleinen Einkommen verholfen haben. Natürlich ist der Durchschnittsdeutsche seit dem 10. Oktober 2006 außerdem mehr als 50.000 Kilometer Auto gefahren.

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Was lernt man aus einer solchen Reise? Wie lautet euer  Fazit?

Erlebt man täglich die Schwierigkeiten, mit denen andere Menschen leben müssen, relativiert sich der Begriff "Problem". Über was wird hier in Deutschland gejammert? Über was streitet man sich? Da können wir alle viel lernen von der Gelassenheit, mit der die Menschen in Afrika ihr Leben meistern. Aber auch von der Toleranz, mit der viele dort anderen Menschen begegnen. Wir sind fast überall freundlich und zuvorkommend aufgenommen worden. Da schämt man sich der hier weit verbreiteten Vorbehalte gegenüber Ausländern.

Man ändert sich nicht grundsätzlich durch so eine Reise, man wir kein anderer Mensch. Aber wir haben die Gelegenheit wahrgenommen, unsere Stärken zu kultivieren und gelernt, mit unseren Schwächen zu leben, und wir wissen jetzt, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt.

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Es wird schwierig werden, sich nach so einer langen Zeit unterwegs wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Wie soll es weiter gehen? Habt ihr Pläne für die Zukunft?

Wir haben noch keine konkreten Pläne, wir werden jedoch sicherlich kein Haus bauen und keinen Baum pflanzen. Trotzdem ist der Neubeginn eine Herausforderung. Die nehmen wir an, so wie wir die Herausforderung Afrika angenommen haben. Nach über 3 Jahren Afrika - was soll uns da noch schrecken?

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Fast 4 Jahre on the road – das erfordert sicher einiges an Vorbereitung. Das fängt schon mit der Fahrzeugauswahl an. Wie macht man so was?

Zuerst haben wir im Internet recherchiert, haben Websites von anderen Langzeitreisenden durchstöbert und mit manchen per Email Kontakt aufgenommen. Schon bald wurde klar: Für so eine Reise kann es nur ein Auto geben: Einen Toyota Landcruiser HZJ78L – DAS Auto für Afrika.

Zu dieser Zeit wurden in Deutschland genau zwei solcher Fahrzeuge angeboten: Das eine von Privat, das andere von Toms Fahrzeugtechnik. Der private Anbieter war etwas günstiger und das angebotene Auto weniger alt. Bei genauerem Hinsehen zeigte sich aber: Bei Tom bekommen wir ein trotz des Alters fast neuwertiges Fahrzeug, sehr gepflegt und ohne einen Anflug von Rost. Zudem konnten wir das Auto bei Tom nach unseren Wünschen umbauen lassen. Dabei zeigte er sich sehr kulant: Teile, die wir nicht wollten, wurden ausgebaut und zum Neupreis vom Angebotspreis abgezogen, unsere individuellen Wünsche sehr kostengünstig realisiert. Dabei wurden wir jederzeit sehr kompetent beraten. So entstand ein Fahrzeug nach Maß zu einem vergleichsweise günstigen Preis.

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98.000 Kilometer Afrika – da ist man sicher nicht nur auf Autobahnen unterwegs. Da braucht man ein solides Fahrzeug. Aber das sollte man auch im Gelände beherrschen. Hattet ihr denn irgendwelche Vorerfahrungen?

Drei Jahre vor unserem Start zu dieser Tour waren wir einmal für vier Wochen mit einem gemieteten Geländewagen in Namibia und Botswana unterwegs. Was wir da gelernt haben – das sollte sich später herausstellen – hatte aber wenig damit zu tun, was uns etwa in der Wüste im Sudan, in den Regenwäldern Gabuns oder bei der Nordumfahrung des Tschadsees erwartete.

Da zeigte sich wieder, dass wir mit dem Fahrzeug die richtige Wahl getroffen hatten – denn bei Toms Fahrzeugtechnik gibt’s alles aus einer Hand: Fahrzeuge, Equipment und Reisen. So haben wir uns zu Beginn unserer Tour einer geführten Reise ins südliche Tunesien angeschlossen, und dabei unter sachkundiger Anleitung von Tom unser Fahrzeug beherrschen gelernt.

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Bei so einer Mammut-Tour lässt es sich nicht vermeiden, dass auch mal was kaputt geht am Fahrzeug. Seid ihr denn KFZ-Mechaniker?

Leider nicht. Kim ist Internist – das sind die Ärzte mit den zwei linken Händen –, und auch meine pädagogischen Fähigkeiten als gelernte Erzieherin sind bei einer Fahrzeugpanne nur von beschränktem Nutzen. Zum Glück hat sich unser Landcruiser als extrem zuverlässig erwiesen. Und hatten wir doch einmal ein Problem, war es oft sehr hilfreich, einen Profi als Joker im Ärmel zu haben: Meist hat uns Toms Rat per Telefon oder Email schnell weiter geholfen. In Marokko zum Beispiel stand unser Landcruiser mal einen ganzen Tag in einer Toyota-Werkstatt, nur um eine Diagnose zu stellen. Tom hat dieselbe Diagnose nach der Schilderung der Symptome in drei Minuten am Telefon gestellt und uns genaue Anweisungen gegeben, wie weiter zu verfahren ist.

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Extreme Beanspruchungen, mangelhafte Wartung unterwegs. Habt ihr denn einen Schrotthaufen zurück nach Hause gebracht?

Selbst ein Landcruiser übersteht so eine Tour natürlich nicht unbeschadet. Aber auch da hat uns Toms „Afrika-Rundum-Sorglos-Paket“ überzeugt. Probleme hatten wir zum Beispiel mit unserem Wassertank – den hat uns Tom kostenlos wieder instand gesetzt. Trotz Extremeinsatz 4 Jahre Garantie – wo gibt’s denn so was?

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